Anwenderbericht Drahtzug Stein

Schwer auf Draht

So organisch wie sich das Werk von Drahtzug Stein in die Landschaft fügt, so fügt sich deren ERP-System in die Ablauforganisation ein. Im französischen Werk läuft die gleiche Software wie in den beiden deutschen Betrieben.

Sicher trägt der Trend zu modernen, technisch hochgerüsteten Küchen maßgeblich zum Erfolg von Drahtzug Stein bei. Aus der ehemaligen Drahtzieherei entstand ein Unternehmen mit europaweitem Vertrieb von Zulieferkomponenten für die „Weiße-Ware-Industrie“. Daneben werden weiterhin Spezialdrähte für die Schweißtechnik und für die stahlerzeugende Industrie produziert. Kleinere Produktionsbereiche ergänzen diese Hauptlinien. Trotz des beständigen Wachstums wickelte das Unternehmen bis etwa 1995 die gesamte Fertigungssteuerung, den Einkauf und Vertrieb mit nur minimaler Unterstützung durch elektronische Systeme ab. Bis dahin lag fast die gesamte Organisation in den Händen (und Köpfen) erfahrener Mitarbeiter. Das war mit zunehmender Unternehmensgröße und Wettbewerb auf europäischem Niveau selbstverständlich nicht auf Dauer durchzuhalten.

Werk1 in Deutschland zieht Draht - und damit die Ausgangsprodukte für das direkt benachbarte Werk2 und zum Teil für das französische Werk. Werk2 und „die Franzosen“ stellen Körbe und Drahtartikel für die „Weiße-Ware-Industrie“ als Endprodukte her. Allein in Deutschland produziert Drahtzug Stein rund 10.000 Drahtroste und 12.000 bis 15.000 komplette Spülmaschinen-Körbe pro Tag. Insgesamt werden täglich etwa 45.000 Artikel durch die Fertigung geschleust, die durchschnittlich 500 bis 800 Auftragsrückmeldungen bedeuten.

Ein ERP-System für Deutschland und Frankreich

Die mehrstufige Fertigung umfasst das Ablängen und Biegen einzelner Drähte, verschiedene Schweißoperationen, Umformvorgänge bereits geschweißter „Gitter“, Kunststoffbeschichtungen und verschiedene Montagearbeiten wie das Anbringen von Rollen oder Gleitschienen. Teilweise sind Umformung und Verschweißungen in Verbundwerkzeugen integriert und laufen damit in einem Fertigungsschritt ab. Mehrstufige Arbeitspläne und etwa sechs Stücklistenstufen sind die Regel.

Mit der Auswahl von proALPHA wurden die grundsätzlich unterschiedlichen Fertigungsstrukturen in den Werken mit einem System abgebildet. Die „Franzosen“ arbeiten mit einer fremdsprachlichen Variante, die aber wie eine deutsche Niederlassung angebunden ist. Zunächst wurde die Einführung im deutschen Werk2 angegangen, da hier die höchsten Rationalisierungspotentiale und ein Sicherheitsgewinn der Planung erwartet wurden. Die bereits für beide deutschen Werke gemeinsam betriebene Finanzbuchhaltung war zu integrieren.

In kleinen, aber gezielten und konsequenten Schritten ging Drahtzug Stein an die Umsetzung des Konzepts. Angefangen wurde in Werk2 mit jeweils einem Sachbearbeiter und einem Kunden. Sukzessive wurden weitere Kunden angelegt, die gewonnenen Erfahrungen flossen sofort in die weitere Arbeit und Systementwicklung ein. Mit dieser Arbeit erhielt das gesamte Unternehmen eine völlig neue Informationsbasis. Zum einen waren erstmals alle relevanten Informationen jedes Produkts so dokumentiert, dass sie unabhängig von einzelnen Personen zur Verfügung stehen. Zum anderen fielen bei einer ganzen Reihe von Produkten Unstimmigkeiten in den Abläufen auf, die gezielt beseitigt wurden.

Das Hinterlegen des „gesammelten Unternehmenswissens“ soll allerdings auch bei Drahtzug Stein die menschliche Intelligenz nicht ersetzen. Nach wie vor entscheiden beispielsweise in der Produktion die Abteilungs-leiter, in welcher Reihenfolge die anstehenden Aufträge abgearbeitet werden. Das System gibt Aufträge in den jeweiligen Abteilungen mit einem Zeithorizont von etwa drei Tagen frei, die Feinplanung übernehmen Meister oder Vorarbeiter.

Im nächsten Schritt, seit dem 3. Quartal 2000, läuft die Umstellung von Werk1 auf proALPHA. Ob wohl die Fertigungen sich grundsätzlich unterscheiden sind keine grundsätzlichen Probleme zu erwarten. So ist die Drahtfertigung eher prozess- als stückorientiert, es ist eine exakte Chargenverfolgung notwendig und die Preisfindung ist ungleich komplizierter. Aufgrund der Systemflexibilität ist die Installation jedoch innerhalb von sechs Monaten abzuschließen. Darauf deuten auch die zusätzlichen Erfahrungen im französischen Werk hin.

Trotz der teilweise unterschiedlichen Fertigungsstrukturen - und der Unterschiede in Buchhaltung und Warenwirtschaft - ist die französische Version planmäßig seit Oktober 1999 im Echtbetrieb. Selbst das Einbinden einer anderen - bereits vorhandenen - Finanzbuchhaltung in die französische Version oder die Anbindung des Qualitätssicherungssystems Mefass war kein Problem.

Von drei Werken zu einem Unternehmen

Der größte Gewinn der proALPHA-Einführung liegt offensichtlich im integrierenden Ansatz dieser Software. Die intelligente und hohe Integration der Funktionalitäten wurde in der internen Struktur nachgebildet. Aus den früher weitgehend eigenständig agierenden Abteil-ungen und Werken kann nun endlich ein Unternehmen werden.

Lokale Optimierungen einzelner Abläufe waren zwar durchaus wirksam, sie verpufften aber weitestgehend, da der Informationsfluss vom Warenfluss entkoppelt war. Das ändert sich mit Ausrüstung aller Werke mit dem einheitlichen Informations- und Steuerungssystem. So werden in Zukunft die in proALPHA integrierten e-Business-Komponenten für schnellere und automatisch ablaufende Prozesse sorgen. Beispielsweise lösen Auftragseinlastungen in Werk2, die bestimmte Vormaterialien voraussetzen, automatisch eine Bestellung in Werk1 aus.

Bei Eilaufträgen hat der Disponent in Werk2 einen so weitgehenden Einblick in die Lagerhaltung von Werk1, dass er seinem Kunden auch extrem enge Termine ohne umständliche und zeitraubende telefonische Nachfragen sicher zusagen kann.

Materiallieferungen von Werk1 an Werk2 können automatisch in den Lägern beider Unternehmen aus- bzw. eingebucht werden. Es ist sogar denkbar, dass die gesamte Verwaltung des Vormateriallagers - und die Verantwortung für die Lagerbestände - auf den oder die Zulieferer verlagert wird. Mit zunehmender Verbreitung und Akzeptanz des professionellen e-Business im B-to-B-Umfeld ist selbst-verständlich auch das Einbinden externer Zulieferer und Kunden möglich. Die Technologie dafür ist bei Drahtzug Stein jedenfalls vorhanden.