Anwenderbericht

Anwenderbericht Werner & Pfleiderer Industrielle Backtechnik GmbH

Keine kleinen Brötchen backen

Extremer Variantenreichtum und Sonderlösungen jeder Art bei hohem Preisdruck und internationaler Wettbewerb kennzeichnen den Anlagenbau für die Backindustrie. Wer auf dem internationalen Markt mithalten will, wer keine „kleinen Brötchen backen will“, braucht nicht nur „Back-Know-how“ sondern ausgeklügelte Strategien bei der Kundenauftrags-Bearbeitung.

Keine Anlage gleicht der anderen. Anlagen für die Produktion von 10.000 (!) Toastbroten, 200 Kilogramm Sandgebäck oder einige tausend Brötchen pro Stunde sind substantiell unterschiedlich aufgebaut.

Zum anderen unterscheiden sich die integrierten vor- und nachgelagerten Verarbeitungsschritte wie Teiggärung und Verpackung, die geplanten Durchsatzmengen, örtliche bauliche Gegebenheiten, regionale Traditionen und Gewohnheiten und nicht zuletzt der gewünschte Automatisierungsgrad. Zudem sind unterschiedliche technische Standards und Normen anderer Länder zu berücksichtigen.

Trotz konsequenter Modularisierung sind immer wieder aufgrund von speziellen Kundenwünschen teilweise erhebliche Konstruktionsaufwendungen notwendig. Der Erfolg des 80-Mann-Unternehmens aus der „Hochlohn-Region“ nahe Stuttgart hat Gründe: Ausgereifte, qualitativ hochwertige Produkte und pfiffiges Engineering - aber auch die ausgefeilte Steuerungsstrategie des Unternehmens tragen den Unternehmenserfolg.

Erklärtes Ziel der Werner & Pfleiderer Industrielle Backtechnik GmbH ist es, die Nummer 1 auf dem Weltmarkt zu werden. Variantenvielfalt und Sonderwünsche haben die Teilestämmeextrem anwachsen lassen. Derzeit werden 465.000 Stücklisten mit 3,8 Mio. Positionen verwaltet, die sich aus rund 625.000 Artikeln ergeben. Zudem sind die Stücklisten sehr komplex, da Baugruppen und Teile häufig an mehreren Positionen einer Anlage verwendet werden.

Stücklisten-Kern der internen und externen Organisation

Auf Basis der Stücklisten können Fertigungslose zusammengefasst und gemeinsam vergeben werden. Wichtige Zulieferer werden unterstützt durch exakte Dispositionsvorschläge für deren Materialwirtschaft und Teileeinkauf.

Andererseits stellt WPIB Zulieferern wiederum bestimmte Zukaufteile zur Verfügung, die - in Form der kompletten Baugruppe - zum vereinbarten Termin wieder bei WPIB oder beim Kunden eintreffen müssen. Der Materialfluss zwischen Teilefertiger, WPIB und Kunden bedeutet - angesichts der durchschnittlich sehr hohen Anzahl an Teilen je Auftrag - enormen Verwaltungsaufwand, wenn man den Auftragsfortschritt in allen Stadien transparent halten will.

Nach Auswerten verschiedener Angebote fiel die Entscheidung am 20.12.1996 für proALPHA - und dann ging es ganz schnell: Am 15.02.1997 wurde als erstes Modul die Finanzbuchaltung in Betrieb genommen. Am 01.05.97 wurden Einkauf, Disposition, Lagerverwaltung und Ersatzteilvertrieb installiert.

Spezialität Einkaufslisten

Alle diese Module greifen intensiv auf das Kernelement der WPIB zu, die Stücklisten. Hier wünschte WPIB einige spezielle Anpassungen. Dabei ging es vor allem um das Generieren kommissionsbezogener Einkaufs- oder produktionsunterstützender Listen durch automatisch erstellte Satzstrukturen. Dazu werden Bestell- und anderen betroffenen Teilen in den Mengenstücklisten Indizes zugeordnet, beispielsweise für Isolierungen, VA-Teile, bestimmte Antriebselemente und andere, die das Erstellen der Strukturen steuern.

Auf Knopfdruck entstehen Angebots- und Einkaufslisten, beispielsweise Blechteileliste, Schraubenliste, Liste mit Steuerungen und andere. Mit nur einem Handlingvorgang lassen sich Angebote für umfangreiche „Teilesammlungen“ eines Auftrags einholen oder Bestellungen abwickeln. Trotz der hohen Komplexität des Produkts sind Einkauf und Disposition extrem einfach und mit vergleichsweise geringem Aufwand verbunden.

Verwaltungsaufwand erkennen

Auch in den „Einkaufslisten“ enthält jede Position einen Rückverweis auf den Einbauort in der Anlage, im fertigen Produkt. Das vereinfacht das Materialhandling auf der Baustelle, bei der Montage. Und ein besonderes Schmankerl haben sich die Verantwortlichen einfallen lassen: Die Indizes bestehen aus verkürzten Artikelnummern. Das schließt Zahlendreher und Falscheingaben weitgehend aus - und die Zulieferteile sind auf der Baustelle leicht identifizierbar.

„Aufwendiges Projektmanagement ist in den meisten mittelständischen Unternehmen kein so großes Thema, bei uns schon. Und das ließ sich, trotz unseren außergewöhnlichen Anforderungen, mit überraschend geringem Aufwand realisieren“, stellt Joachim Schnier im Rückblick fest. Heute lässt sich jederzeit der Stand (und die Kosten) jedes Projekts erkennen und steuern.

Alle zu einem Projekt gehörenden Informationen wie Bestellungen, Lagerbestände, Rechnungsstände und andere lassen sich übersichtlich darstellen. Alle Teile, die bearbeitet werden müssen, sind mit aktuellem Status versehen (bestellt, im Haus, fakturiert).